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Autor: Mira Mehrkens
Was ist das Ego?
Was ist das eigentlich so genau, was wir landläufig, oft abfällig, als Ego bezeichnen? Den Begriff Ego assoziieren die meisten Menschen mit etwas Lästigem, etwas, das einen bei der Weiterentwicklung enorm behindert und von dem in einigen spirituellen Lehren früher sogar gesagt wurde, man solle es abtöten. Tatsächlich ist das Ego aber über Jahrtausende hinweg ein sehr wertvolles "Organ" unseres menschlichen Seins hier in dieser Raum-Zeit-Dimension auf dem Planeten Erde gewesen.
Erstaunt?
Unsere Egos sind wundervolle Instrumente von einer unglaublichen Präzision und Perfektion. Sie wurden von der gleichen göttlichen Kraft erschaffen, die unsere anderen Seinsteile, wie unsere Körper, hier erschaffen hat, einschließlich unseres Planeten und der ganzen Raum-Zeit-Dimension. Das muß doch irgendeinen Sinn gehabt haben.
Wozu dient das Ego?
Wozu ist das Ego überhaupt gut? Ich möchte es folgendermaßen definieren: Das Ego ist zur Zeit unsere Schnittstelle zu anderen Menschen und allen anderen Wesenheiten und Dingen, also zu unserer ganzen äußeren Welt. Inzwischen benutzen wir es auch als Filter zu unserer inneren Welt, da wir auch unser ganzes inneres Erleben durch den Schleier von erlernten Verhaltensweisen, Moral und Gesellschaftsregeln wahrnehmen.
Die Grundfunktion des Egos war unser Schutz. Als wir noch als Jäger und Sammler lebten, warnte es uns vor Situationen, die unser körperliches Leben bedrohten. Es half uns Formen des Zusammenlebens zu entwickeln, die die Erhaltung unserer Art sicherstellten.
Sein Hauptverbündeter ist unser Verstand.
Sein Hauptwerkzeug ist die Angst.
Seine Hauptfunktion besteht darin, uns mit Hilfe von Angst vor bedrohlichen Situationen zu warnen.
Mit der Weiterentwicklung unseres Verstandes wurden die Methoden des Egos immer ausgereifter und raffinierter. Wir entwickelten Schutzmechanismen, wie Rüstungen, Waffen und Werkzeuge auf der körperlichen Ebene, um schon vor dem Eintreten einer bedrohlichen Situation gewappnet zu sein. Wir lernten, den Feind anzugreifen und zu vernichten, bevor er uns angreifen konnte. Und wir lernten, diese Methoden auch auf geistige und psychologische Prozesse anzuwenden.
Inzwischen hat das Ego die ganze Definition unseres Selbst übernommen. Wir haben uns eine Identität geschaffen, die sich ausschließlich aus Ego-definierten Äußerlichkeiten aufbaut. Diese Identität hat bei den meisten Menschen Inhalte wie Beruf, Aussehen, Besitz und Statussymbole, Familienzugehörigkeit, Abstammung und vieles mehr. In dem Moment, in dem wir einen dieser Eckpfeiler unserer Selbstdefinition verlieren, z.B. den Beruf durch Arbeitslosigkeit, und dadurch gleichzeitig den Lebensstandard, bricht unsere ganze Selbstdefinition zusammen und wir haben eine "Identitätskrise". Natürlich hat diese künstliche Identität nichts mit unserer wahren Identität zu tun. Aber das Erkennen unserer wahren Identität bedroht die Alleinherrschaft unseres Egos und es ist zu allem bereit, um das zu verhindern.
Das Herz war an den Bemühungen des Egos nie beteiligt, es wurde nur toleriert, da es ja auch mal gute Gefühle produzierte (Liebe). Im Gegenteil, oft stand es hinderlich im Weg, da es eine andere Sicht der Dinge hat, als das Ego. Das Ego versteht es aber meisterlich, das Herz zum Schweigen zu bringen, indem es uns weismacht, daß unsere Gefühle verletzt werden könnten, wenn wir nach unserem Herzen handeln, und ein verletztes Herz schmerzt. Vor Schmerzen haben wir Angst. Kein Wunder, daß wir in unserer Gesellschaft so viele Herzkrankheiten haben.


